Donnerstag, 9. Februar 2012

Der Bystander Effect

(R:OK)
Da ich gerade auf die Vollendung einer Datensynchronisation warte, möchte ich die Zeit nutzen, um über den Bystander Effect zu bloggen, mit dem ich mich gerade im Rahmen meines Psychologiestudiums befasse.

Lieber Leser, gehen Sie doch einmal davon aus, Sie stehen am Bahnsteig und warten auf einen Zug. Neben Ihnen stehen viele andere Leute, die ebenfalls auf den Zug warten. Nun fängt es wenige Meter von Ihnen entfernt an zu qualmen.

Was nun passieren kann ist folgendes und wird als "Bystander Effect" bezeichnet: Sie (und die anderen Passanten) bemerken den Qualm, schauen einander gegenseitig an, und beobachten das jeweilig andere Verhalten. Da die anderen Personen dasselbe tun (also sich gegenseitig anschauen, um zu sehen, ob jemand etwas unternimmt, jedoch nicht den Grund des Qualms erkunden), passiert nichts.

Alle Personen sichern sich also dadurch in ihrem eigenen Verhalten ab, indem sie die Reaktionen der jeweils anderen Personen zu beobachten. Da somit letztlich kein Anwesender eine besondere Reaktion zeigt, passiert nichts. Dieses Phänomen ist der so genannte Bystander Effect und konnte -- leider -- auch schon bei Gewalttaten und anderen Notsituationen beobachtet werden.

Den Bystander Effect können Sie durchbrechen, indem Sie sich bewusst machen, dass Sie in einem solchen Zeitpunkt wie alle anderen reagieren und sich dann zwingen, aus der Masse heraus zu treten. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Sie könnten etwa eine andere Person danach fragen, wie sie den Qualm einschätzt. Noch besser ist es allerdings, wenn Sie 1. selber nachsehen, woher der Qualm kommt, und 2. klare Anweisungen an Dritte geben (auch können Sie sich Verbündete suchen, indem Sie mit anderen gemeinsam nach der Ursache des Qualms suchen).

Im Falle eines Notfalls hieße das beispielsweise, dass Sie eine beliebige andere Person anweisen, den Krankenwagen zu rufen. Durch diese direkten Anweisungen beginnen die anderen Personen aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich zu handeln.

Die Gründe für das verhinderte (Hilfs-)Verhalten sind vielseitig und liegen etwa darin, nicht aufzufallen, also nicht aus der Gruppe heraus zu stechen. Auch kommt es, wie im folgenden Video sehr schön zu sehen ist, darauf an, zu welcher "Gruppe" eine Hilfesuchende Person gehört.

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