Donnerstag, 8. September 2011

Der Rückschaufehler (hindsight bias)

(R:OK)
Wieder etwas aus meinem Psychologie-Studium.

Die Psychologen kennen einen Effekt, der Rückschaufehler (oder hindsight bias) genannt wird. Dabei geht es darum, dass Menschen sich im Nachhinein (a posteriori) falsch an Ereignisse erinnern. In der Literatur finden sich zu diesem Thema verschiedene Beispiele, etwa diese:

  • Börsencrash: Die Menschen sagen im Nachhinein: "Ich habe es doch gewusst!" (obwohl sie es nicht unbedingt wirklich "gewusst" haben).
  • Erzielte Noten in der Schule: Jemand schätzt, er wird in der Prüfung eine 1,7 bekommen, erhält dann aber eine 1,4. Später behauptet er, er hätte darauf getippt, eine 1,5 oder 1,6 zu erhalten. Seine Erinnerung an die ursprüngliche Schätzung liegt näher am tatsächlichen Resultat.
  • Bei Wikipedia findet sich ein ähnliches Beispiel im Zusammenhang mit dem Rückschaufehler: Eine Person gibt eine Schätzung für den Wahlausgang ab und schätzt dabei, dass eine bestimmte Partei 30% der Stimmen erhalten wird. Tatsächlich erhält die Partei etwa nur 10% der Stimmen. Anschließend wird die Person darum gebeten, bekannt zu geben, wie hoch sie die Erwartungen an die Partei ursprünglich eingeschätzt habe und gibt einen Wert zwischen dem tatsächlichen Ergebnis und ihrer ursprünglichen Schätzung (bspw. 20%) an. Obwohl die Person davon überzeugt ist, eine Schätzung von 20% abgegeben zu haben, gab sie in Wirklichkeit eine Schätzung von 30% ab.
Diese nachträglichen Falscheinschätzungen bzw. die Differenz zwischen der tatsächlichen Schätzung einer Person und ihrer vermeintlichen Schätzung nennt sich Rückschaufehler.

Quellen: Wikipedia-Eintrag und Psychologie (Springer-Lehrbuch), Kapitel 1

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