Mittwoch, 23. Februar 2011

"Slackware will never die"? (Teil 1 und 2)

(R:OK)"Slackware will never die"? - Teil 1

Ich habe mir Gedanken über die Zukunft meiner Lieblingsdistribution gemacht und sehe für ihre Zukunft relativ schwarz. Die Frage ist: Warum Slackware sich ändern muss, um auch in Zukunft noch eine Chance zu haben.
(Date/Datum: 2008-04-16 14:09)

Wir schreiben das Jahr 1993, Patrick Volkerding hat Slackware ins Leben gerufen und auch das Debian Projekt wird in Kürze existieren. Zur damaligen Zeit war man sehr froh über ein einfaches Paketsystem, wie es Slackware bot. Zwar wurde das Paketsystem im Detail auch weiterentwickelt und es existieren auch Zusatztools, die aus dem sehr einfachen Slackware-Paketsystem ein umfangreicheres zu machen versuchen und etwa eine Funktionalität für Auto-Updates der Pakete über das Internet bereitstellen (slapt-get oder auch slackpkg), doch diese müssen erst von Hand nachinstalliert werden.

Hinweis: Zu diesem Posting habe ich noch ein Kontra-Posting veröffentlicht, dass sich weiter unten finden lässt.

Diese Einfachheit des Slackware-Paketsystems ist wirklich eine sehr schöne Sache, doch gemessen an den heutigen Anforderungen (im Besonderen: Abhängigkeiten von Paketen), ist es nicht mehr State-of-the-Art. Natürlich gibt es Anhänger der Slackware-Distribution, die noch immer glauben, dass Slackware niemals untergehen wird (was in gewisser Weise auch der Fall ist, da Slackware andere -- auf ihr basierende -- Distributionen hervorgebracht hat).

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich dieses Posting nicht als Slackware-Gegener von mir gebe, sondern als Slackware-Anhänger. Slackware-Linux war mein erstes Linux-System, dass ich je installiert hatte und die Security-Distribution "Hardened Linux", die ich ins Leben rief, basierte auf Slackware (sie bekam allerdings ein eigenes, abwärtskompatibles Paketsystem mit mehr Funktionalitäten). Während der Entwicklung von Hardened-Linux kamen übrigens immer wieder Fehler in den Slackware Paketen zum Vorschein, die durch bessere Package-Build Scripte (ein erster Ansatz war unser MetaBuild Script, das automatisch beim Auftreten von Fehlern den Build-Vorgang abbrach), so wie wir sie einsetzten, hätten vermieden werden können.
Leider ist Slackware allerdings nicht bereit, ein neues Paketsystem zu integrieren, es könnte so einfach und klein wie das von Hardened Linux sein, würde aber doch mehr Features zur Verfügung stellen, ohne, dass es gleich ein riesiges apt sein muss.

Ein solches Paketsystem könnten sicher auch die meisten Ur-Anhänger der Distribution akzeptieren, doch, was auch wichtig ist, es würden sich neue Anhänger mit Slackware anfreunden können. Natürlich, ein Verlust des Freak-Faktors wäre ein relativ sicherer Tod für die Distribution, doch nichts zu tun, und weiterzumachen, wie bisher, das ist ein ebenso sicherer Tod!

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Begrenzte Paketauswahl. Zwar gibt es im Netz third Party-Pakete, doch Pakete müssen einfach Bestandteil einer Distribution sein. Ein Befehl sollte genügen, damit ein Paket, samt Abhängigkeiten installiert werden kann. Eine Lösung für die Unterscheidung zwischen "eigenen" und third-Party Paketen kennen etwa Ubuntu-User durch "universe" Packages. Dem Ubuntu-User kann es von der Handhabung der Installation her egal sein, ob ein Paket direkt von den Core-Developern gepflegt wird, oder eben ein Universe-Package ist.

Slackware muss also 1. ein aufgebohrtes Paketsystem liefern, das die Anhänger der Distribution nicht abwirft, und 2. mehr Pakete (etwa GNOME, Evolution, ...) zur Verfügung stellen. Falls dies Patrick Volkerding nicht alleine schafft (das Package-Management eines Distributors ist -- aus eigener Erfahrung kann ich das sagen -- eine sehr umfangreiche Aufgabe!), soll er sich eben mehr Entwickler ins Bot holen!

Slackware will never die -- Teil 2
Slackware ist ein Ur-Gestein, eine Linux-Distribution, die viele Anhänger hat, aber bei der man sich doch fragt, wie lang dies noch so bleiben wird.
(Date/Datum: 2008-05-02 10:47)

In meinem letzten Posting zum Thema Slackware-Linux ging es darum, dass Slackware für die Zukunft relativ schlecht gerüstet ist. Heute werde ich mich darüber auslassen, wie großartig Slackware ist, und warum es eben doch eine Chance für die Zukunft gibt (obgleich diese Chancen größer sein könnten, aber das habe ich ja bereits im ersten Posting erläutert).

Gründe für Slackware
Slackware verwendet im Gegensatz zu vielen anderen Distributionen einen (relativ) naturbelassenen Kernel, ist stabil, sauber und vor allen Dingen simpel: _Alles_ ist _glasklar_ und leicht nachzuvollziehen.

Das Paketsystem ist sehr einfach aufgebaut und durch Shellskripte umgesetzt. Wer ein Paketsystem verstehen lernen möchte, der sollte mit diesem anfangen. Das Paketsystem kennt auch keine Abhängigkeiten, weshalb man in etwa wissen sollte, welche Pakete voneinander abhängen. Diese Einfachheit macht das Paketsystem allerdings äußerst stabil (man wird nie Fehlermeldungen bzgl. nicht erfüllbarer Abhängigkeiten etc. bekommen).

Außerdem ist das BSD-like rc.d-System als Vorzug zu nennen. Für mich persönlich ist Slackware nicht zuletzt durch sein rc.d-System eine Distribution zwischen Linux und BSD (nur eben ohne *BSD-Kernel und Ports).

Warum Slackware eben doch nicht so schnell untergehen wird
Slackware hat viele erfahrene User, die an das System gewöhnt sind und es mögen. Außerdem sind andere Distributionen oft recht komplex aufgebaut und langsam. Möchte man bei solchen Distributionen etwas "von Hand" machen (und das ist schließlich das Tolle an Linux!), muss man sich eventuell erst mit umfassenden Zusatzthemen (etwa Regeln des jeweiligen Paketsystems) auseinandersetzen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen